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Unsere Streaming-Tipps für diesen Monat

Die besten Serien und Filme, die Sie jetzt streamen können. Auf Netflix, aber nicht nur.

Kulturredaktion
Aktualisiert am 30. März 2021

Sky Rojo

Pulp-Serie von Alex Pina und Esther Martinez Lobato, Spanien 2021, 8 Folgen
Serie
Man lasse sich vom Titel nicht täuschen: Von einem rot-romantischen Abendhimmel kann jedenfalls keine Rede sein, es geht hier schlicht um das rote Kunstledersofa (auf Spanisch «escay») in einem Puff, auf dem drei Prostituierte täglich auf Kundschaft warten. Nach einem Aufstand machen sich Coral, Gina und Wendy aus dem Staub, doch dummerweise hat Oberzuhälter Romeo die Attacke überlebt. Er stellt dem Trio mit seinen bescheuerten Handlangern nach. Als Latin-Pulp bezeichnen die Macher von «La casa de papel» ihre Serie, und es ist offensichtlich, wie raffiniert sich dieses Duo aus dem Fundus eines Quentin Tarantino bedient. Hyperaggressive Machos jagen verdrogte und/oder naive Girls, wobei man sich gegenseitig mit knochentrockenen Sprüchen überbietet: «Heute hat uns keiner in den Arsch gefickt, wir waren vor der Öffnung weg», meint Wendy einmal und weiss nicht, ob sie lachen oder weinen soll. Ein prallbunter Wahnwitz. Lesen Sie hier, was die Spanier besser können. (zas)
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The Good Lord Bird

Miniserie von Ethan Hawke und Mark Richard, USA 2020, 7 Folgen
Miniserie
Es kommt selten vor, dass man eine neue Serie beginnt und ihr augenblicklich verfällt, aber voilà, hier ist eine. Held von «The Good Lord Bird» ist der vor allem in den USA sehr berühmte Abolitionist John Brown, ein Weisser, der die Sklaven bewaffnen wollte. Er scheiterte und wurde gehängt, aber seine Taten beschleunigten die Ereignisse, die zum Bürgerkrieg führten. Eine helle Freude ist Mitautor und Hauptdarsteller Ethan Hawke, er spielt John Brown als Befreiungskämpfer mit Spinner-Bart und dem religiösen Furor des Rechtschaffenen. Allerdings macht Brown allerlei falsch, denn die wenigsten Mitstreiter überleben seine Rettungsversuche. Der Tonfall ist lapidar, die Serie sehr sorgfältig gemacht und hervorragend gespielt: Dieser «white saviour» transzendiert so ziemlich jede Vorstellung des Korrekten. Auf in den Kampf! (blu)
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Calls

Horror-Serie von Fede Álvarez, USA 2021, 9 Episoden
Serie
Bildschirmzeit zu hoch? Die 9-teilige Apple-Serie bietet insofern Hilfe, als sie über den Ton funktioniert: Zu sehen gibts nur abstrakte Linien, erzählen tut «Calls» seine unheimlichen Geschichten über Telefongespräche, die alltäglich beginnen und bald surreal, ja lynchesk werden. Da telefoniert etwa ein Mann mit seiner Geliebten und realisiert, dass sie gleichzeitig nackt in seinem Bett liegt. Mit wem redet er also gerade? Die Folgen haben die Länge einer kurzen S-Bahn-Fahrt, und falls Sie irgendwo einem verschreckten Passanten mit Ohrstöpsel begegnen, hört er oder sie wahrscheinlich gerade «Calls». (blu)
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We Are Who We Are

Coming-of-Age-Serie von Luca Guadagnino, I/USA 2020, 8 Folgen.
Miniserie
«Du bist der Neue, gell? Der mit zwei Müttern?» Der Teenager Fraser (Jack Dylan Grazer) ist gerade mit seiner Familie von New York nach Italien gezogen, denn seine Mutter Sarah (Chloë Sevigny) übernimmt dort das Kommando über einen US-Militärstützpunkt. Seine andere Mutter Maggie (Alice Braga) ist ebenfalls Offizierin. Die drei werden skeptisch begutachtet, und Frasers exzentrische Art hilft nicht gerade, einen guten Eindruck zu machen. «We Are Who We Are» heisst auf Deutsch: «Wir sind, wer wir sind.» Dass das nicht so einfach ist, besonders mit Teenagern, zeigt die Serie von Luca Guadagnino. Schon mit «Call Me by Your Name» hat der italienische Regisseur eine wunderbare Coming- of-Age-Geschichte erzählt, das Langformat nun passt perfekt zu seiner eleganten Erzählweise. Und der Soundtrack ist voller Trouvaillen wie «Just One Look» – ein New-Wave-Song des deutschen Countertenors Klaus Nomi, der im New York der 70er und 80er Wellen schlug. (ggs)
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Wonder Woman 1984

Superhelden-Film von Patty Jenkins, USA 2020, 151 Min.
Film
Es hat so gut angefangen. «Wonder Woman» mischte 2017 das Genre der Comicverfilmung neu auf, Regisseurin Patty Jenkins inszenierte einen charmanten Kassenschlager, in dem Gal Gadot schwungvoll eine nahbare Superheldin spielte, die sich durch den Ersten Weltkrieg kämpfte und die Menschheit gegen das Böse an sich verteidigte. Tatsächlich brachte der Film so etwas wie eine weibliche Perspektive ins Actionkino ein. Und nun die Fortsetzung: das Drehbuch verworren, die Spezialeffekte fadenscheinig. Selbst Gal Gadot, wieder Titelheldin – dieses Mal tritt sie gegen einen megalomanischen Ölboss an und ringt mit einer zum Monster mutierten Archäologin –, hat ihren Drive verloren. Schade, da wäre mehr möglich gewesen, gerade in der Ausgestaltung der exklusiv weiblich besetzten Opposition von Heldin und Bösewichtin. Wonder Woman, die Frau mit dem goldenen Lasso, fesselt zwar immer noch – aber nur ihre Hardcore-Fans. Lesen Sie hier: Gab es wirklich Amazonen? (MMA)
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Can't Get You Out Of My Head

Doku-Serie von Adam Curtis, UK 2021, sechs Folgen.
Serie
Mit seinen eigenwilligen BBC-Dokumentarfilmen hat sich der Engländer Adam Curtis einen regelrechten Online-Fanclub erarbeitet. Auf «HyperNormalisation» von 2016, ein Essay über die Entstehung der postfaktischen Gesellschaft, folgt nun eine berauschende sechsteilige Dokuserie, die sich zu einer Vorgeschichte der politischen Polarisierung fügt. Curtis verbindet die Verschwörungsmythen der Pioniere in den USA mit den Illuminaten oder mit dem Schicksal von Jiang Qing, der Ehefrau von Mao Zedong. Sein Markenzeichen ist ein dichter Stil – hypnotische Off-Stimme und ein Gespür für besonders merkwürdige Archivbilder –, sein Thema bleibt die grosse emanzipatorische Frage: Wie schaffen wir es, die revolutionäre Kraft der Imagination zu nutzen, ohne dass sie in den Wahnsinn oder die Entfremdung führt? (blu)
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Yellowstone

Westernserie von Taylor Sheridan, USA 2018, drei Staffeln.
Serie
Schön, wieder einmal Kevin Costner zu sehen. Mit Pferd und Lasso sieht er so proper aus wie der Marlboro-Mann. Aber der erste Eindruck täuscht. Costner spielt in dieser neu bei uns verfügbaren Serie John Dutton, der mit eiserner Hand über die grösste Ranch der Vereinigten Staaten regiert. Cowboys werden dort gebrandmarkt wie Vieh, und Feinde werden unzimperlich aus dem Weg geräumt. «Yellowstone» mischt moderne Westernelemente mit einem fast antiken Drama um geliebte und ungeliebte Kinder. Es gibt zahlreiche Prügeleien und Gewaltexzesse, oft ist das zu blutig, zu krass. Aber das Schicksal dieser Familie lässt einen doch nicht los. Lesen Sie hier: Stirb nicht, Kevin Costner! (ml)
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Moxie

Dramödie von Amy Poehler, USA 2021, 111 Min.
Film
Das ist die zweite Regiearbeit von US-Schauspielerin Amy Poehler («Parks and Recreation»): Auf der Suche nach jugendlicher Selbstfindung rückt sie die schüchterne 16-jährige Vivian (Hadley Robinson) ins Rampenlicht, die an ihrer Schule gegen Dresscodes und die arrogante Übermacht der Jungs rebelliert. Wobei sich der Teenager von der Punkvergangenheit ihrer eigenen Mutter (Poehler) inspirieren lässt und heimlich ein Fanzine namens «Moxie» (deutsch: Mumm) herausgibt. Da sind nicht nur Genderkonflikte programmiert, es rumort auch unter den Freundinnen. Allerdings spielt Regisseurin Poehler das nicht in voller Schärfe durch, die Nebenfiguren werden gar stiefmütterlich behandelt. (zas)
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Billie Eilish: The World’s a Little Blurry

Dokumentarfilm von R. J. Cutler, USA 2021, 140 Min.
Film
Man liegt nicht falsch, wenn man diesen Film auf dem Sofa fläzend oder unter der Bettdecke schaut. Denn so trifft man Billie Eilish in dieser Doku meistens an - also im Schlafzimmer und Musikstudio von Bruder Finneas O’Connell sitzend oder liegend, von wo aus das 19-jährige US-Jugendidol die Welt eroberte. Regisseur R. J. Cutler beleuchtet den Werdegang eines erstaunlich fokussierten Popstars, und sein Film wird diesen Ansprüchen insofern gerecht, als er die Puzzleteile sucht und findet: die unterstützende Familie, die Abneigung gegen zu gefällige Klänge, den Live-Perfektionismus. Und dann gibt es auch Szenen, wo Eilish wie ein normaler Teenie rumalbert oder ihrem Jugendidol Justin Bieber in den Armen liegt. Zum Mitweinen schön. Lesen Sie hier: Und dann wird der Superstar zum normalen Teenie (zas)
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Pelé

Porträtfilm von David Tryhorn und Ben Nicholas, USA 2020, 107 Min.
Film
Ab und zu wird ja gemutmasst, wer der bessere Fussballer gewesen sei, Brasiliens Pelé oder Argentiniens Maradona? Diese Frage beantwortet die Netflix-Dokumentation namens «Pelé» nicht, aber sonst beantwortet sie fast alles. Sie zeichnet den Weg des ersten Fussball-Weltstars nach, es geht von seiner ersten Weltmeisterschaft in Schweden, die Pelé mit 17 Jahren 1958 für sein Land entschied, bis zur letzten 1970 in Mexiko, wo Brasiliens Militärdiktatur den Erfolg für sich beanspruchte. Dribbelte das Fussballgenie also auch für das Unterdrückungsregime? Die Haltung des Netflix-Films ist seltsam unentschlossen. Eindeutig ist nur: Pelés Tore bleiben wunderbar. (ml)
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Mon cousin anglais

Dokumentarfilm von Karim Sayad, Schweiz 2019, 85 Min.
Film
Der Schweizer Karim Sayad ist 2017 mit einem Dokumentarfilm aufgefallen, in dem es um Schafe und Menschen in seiner alten Heimat Algerien ging. In «Mon cousin anglais» setzt er das Thema fort, auch wenn es zuerst nicht so aussieht: Er besucht mit der Kamera seinen Cousin, der seit 18 Jahren im kalten Nordengland Döner verkauft. Jetzt aber hat dieser Fahed genug, er will nach Algerien zurück, wo vielleicht gar eine Hochzeit auf ihn wartet. Aber kennt er sich noch aus? Präziser ist das Gefühl, zwischen zwei Welten zu leben, selten eingefangen worden. Und die Portion Wehmut, die mitschwingt, macht den Film erst richtig stark. (ml)
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Solar Opposites

Animationsserie von Justin Roiland und Mike McMahan, USA 2020, 8 Episoden.
Serie
Nachdem ihr Heimatplanet Shlorp von einem Asteroiden zerstört wurde, ist eine Familie von Aliens ins All geflüchtet und mit ihrem Raumschiff in einer irdischen Vorstadt gestrandet. Die Ausserirdischen sind alles andere als begeistert von diesem «menschenverseuchten Drecksloch». Aber solange das UFO kaputt ist, müssen Korvo, Terry und Co. auf der Erde bleiben. Also integrieren sie sich, so gut es geht. «Solar Opposites» funktioniert wie eine normale Sitcom, zumindest in den ersten Episoden. Da klonen Korvo und Terry einmal ein Maskottchen, weil sie endlich einen Freund wollen. «Wir können zusammen abhängen und den ganzen Tag über Menschen lästern!» Das Experiment läuft allerdings gründlich schief: Der Klon wächst zu einem riesigen Monster heran. Noch schlimmer: Er findet Korvo und Terry total uncool. (ggs)
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The Nest

Familiendrama von Sean Durkin, UK/CA 2020, 107 Min.
Film
Am besten ist Jude Law ja immer dann, wenn er seinen Figuren eine Grossspurigkeit gibt, in der eine Portion Verletzlichkeit mitschwingt. So gesehen, ist «The Nest» ein idealer Film für Law. Er spielt den eitlen Rohstoffmakler Rory, der wegen eines Jobs mit seiner amerikanischen Familie nach England zurückkehrt. Als Wohnsitz dient ein riesiges, eiskalt wirkendes Landhaus, und es dauert nicht lange, bis sich die Familienmitglieder voneinander entfremden. Rorys Aufschneidertum wird immer riskanter, und seine Frau Allison (Carrie Coon) straft ihn mit nackter Verachtung. Das ist psychologisch raffiniert gebaut, und weil der Film in den glamour- und handylosen Achtzigern spielt, liegt gerade in den stilleren Szenen das eigentliche Grauen. (zas)
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Sin señas particulares

Drama von Fernanda Valadez, Mex/E 2020, 97 Min.
Film
Mexiko an der Grenze zu den USA. Magdalena (Mercedes Hernández) sucht nach ihrem Teenagersohn, der illegal nach Arizona auswandern wollte. Die Behörden sagen ihr, er sei wahrscheinlich tot, aber die Frau will Gewissheit. Bei ihren Nachforschungen trifft Magdalena auf weitere Menschen, denen es schlecht ergangen ist. Da ist ein Rückkehrer, der von den USA ausgeschafft wurde und jetzt in seinem Heimatdorf nicht mehr willkommen ist. Oder ein indigener Greis, der den Teufel gesehen hat. Ein Drama in stillen, aber starken Bildern, ausgezeichnet mit dem Goldenen Auge am letzten Zurich Film Festival. (ggs)
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The Nice Guys

Krimikomödie von Shane Black, USA 2016, 116 Min.
Film
«Papa, hier laufen Huren und so was rum.» – «Wie oft habe ich dir schon gesagt: Sag nicht: ‹und so was›.» So klingts, wenn der schusselige Privatdetektiv Holland (Ryan Gosling) mit seiner Tochter (Angourie Rice) 1977 an einer Poolparty in Hollywood aufkreuzt. Holland soll dort mit dem Schläger Jackson (Russell Crowe) eine verschollene Pornodarstellerin aufspüren. Aber dann kommts zu ganz anderen Komplikationen in dieser herrlich albernen Gangsterkomödie. (zas)
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