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Unsere Streaming-Tipps für diesen Monat

Die besten Serien und Filme, die Sie jetzt streamen können. Auf Netflix, aber nicht nur.

Kulturredaktion
Aktualisiert am 31. Dezember 2021

The Lost Daughter

Drama von Maggie Gyllenhaal, USA 2021, 122 Min.
Film
Ihr Vater Stephen ist Filmregisseur, ihr Bruder Jake ein Hollywood-Liebling. Jetzt präsentiert die Schauspielerin Maggie Gyllenhaal ihren ersten Film als Regisseurin. Und zwar unter besonderen Umständen: Eigentlich wollte sie den Roman «Frau im Dunklen» von Elena Ferrante in New Jersey verfilmen (das Original spielt in Kalabrien), aber Covid verhinderte die Dreharbeiten dort. So verfrachtete sie die Crew und die Handlung kurzerhand auf eine griechische Insel. Die Hauptrolle spielt die wunderbare Olivia Colman («The Father»), sie ist eine Uniprofessorin, die doch nur Ferien machen will, aber von einer lärmenden Familie am Strand mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Daraus wird ein komplexes Drama, das Maggie Gyllenhaal mit Raffinesse umsetzt. Ein gelungener Erstling, nur das eine oder andere Symbolbild – Orangen schälen – ist zu viel. (ml)
Leserbewertung
ø 3.0
(14 Bewertungen)
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The Investigation

Kriminalserie von Tobias Lindholm, Dänemark 2020, 6 Folgen
Serie
Ein dänischer Unternehmer lud 2017 die schwedische Journalistin Kim Wall ein, sein selbstgebautes U-Boot zu besichtigen und ihn auf einer Fahrt im Meeresgebiet um Kopenhagen zu begleiten. Was danach geschah, stand in allen Zeitungen, Wall war ermordet worden, die Leichenteile lagen verstreut auf dem Meeresgrund. Der Däne Tobias Lindholm erzählt den Fall aus Sicht der Ermittler von der Mordkommission und zeigt dabei etwas, was man in Serien selten sieht. Nämlich wie verdammt lange es dauert, bis man einen Schritt weiterkommt. Wie viel Hartnäckigkeit und Einfallsreichtum so ein Fall braucht. Denn wie zur Hölle findet man im Ozean verstreute Körperteile? Søren Malling liefert als Ermittlungsleiter eine Darstellung, die gerade wegen ihrer Zurückhaltung berührt. (blu)
Leserbewertung
ø 5.0
(3 Bewertungen)
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Arbëria

Drama von Francesca Olivieri, Italien 2019, 110 Min.
Film
Der erste albanische Spielfilm ist auf Netflix angekommen: «Arbëria». Er erzählt die Geschichte der jungen Modedesignerin Aida, die aus der Stadt in das Dorf ihrer Familie zurückkehrt. Aida ist Arbëresh, also Nachfahrin jener Albanerinnen und Albaner, die zwischen dem 15. Und 18. Jahrhundert nach Italien ausgewandert waren. Daraus hätte ein tiefgründiger Film im Spannungsfeld zwischen Traditionen und Freiheit werden können, die Inspiration dazu ist aus dem wahren Leben gegriffen, aus den Geschichten der Tante und Grossmutter von Regisseurin Francesca Olivieri. Die Umsetzung enttäuscht aber. Die Dialoge wirken hölzern, Aidas Dorf gleicht eher einer Theaterkulisse. Immerhin gewann Olivieris Erstlingswerk am Dea Film Festival in Tirana den Public Jury Award. Und Netflix beginnt die Lücke für Balkanfilme zu füllen. (ahl)
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Emily in Paris

Serie von Darren Star, USA 2021, 2. Staffel, 10 Folgen
Serie
Die erste Staffel von «Emily in Paris» zeigte uns genau jenes kitschige Postkartenbild, das man von der Stadt im Kopf hat, bevor man zum ersten Mal dort gewesen ist. Dazu arbeitsscheue, versnobte, dauerflirtende, kettenrauchende Französinnen und Franzosen. Das enervierte die Einheimischen, die Stereotype seien einfach nur lächerlich. Nun ist die Amerikanerin Emily zurück, gespielt von Lily Collins, die aussieht wie die Enkelin von Audrey Hepburn, aber in Wahrheit die Tochter von Phil Collins ist. Sie arbeitet immer noch für dieselbe Agentur und sieht in jeder zweiten Szene aus wie ein in Geschenkpapier verpacktes Wesen. Noch immer wird Paris von seiner allerkitschigsten Seite präsentiert, aber neu bemüht sich Emily, sich so gut wie möglich an die französische Kultur anzupassen. Sogar die Sprache versucht sie zu lernen, allerdings mit hörbar mässigem Erfolg. (dj)
Leserbewertung
ø 3.0
(190 Bewertungen)
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Dune

Science-Fiction von Denis Villeneuve, USA/CDN 2021, 155 Min.
Film
Mit «Dune» schuf der Autor Frank Herbert (1920–1986) einen Meilenstein der Science-Fiction-Literatur, indem er Gegenwartsprobleme in die Zukunft transportierte. Viele Regisseure und Studios haben sich an diesem Stoff die Zähne ausgebissen. Erst Denis Villeneuve gelingt es jetzt, die Romanvorlage adäquat umzusetzen. Es beginnt mit einer ohrenbetäubenden Schlacht auf dem Planeten Arrakis, wohin das Haus Atreides im Jahr 10191 verwaltungshalber entsandt wird, um den Abbau des kostbaren Spice zu überwachen. Dieses Spice ist Droge, Lebensverlängerung und Reisebeschleuniger in einem. Und weil das alles Macht bedeutet, sind die bisherigen Verwalter – die ansonsten gefühlsimmunen Harkonnen – ziemlich sauer. Zwar ahnt Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) die Intrigen, die gegen ihn als Statthalter geschmiedet werden, aber es nützt nichts. Immerhin können seine Konkubine Jessica (Rebecca Ferguson) und der gemeinsame Sohn Paul (Timothée Chalamet) in die Wüste fliehen. «Dune» fasziniert als eine aus Braun- und Grautönen gebaute Brutalismuswelt, in der Gedanken und Geheimsprachen ungeahnte Kräfte entwickeln. Selten sah Science-Fiction spektakulärer und frischer aus. (zas)
Leserbewertung
ø 4.5
(167 Bewertungen)
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The Many Saints of Newark

Mafiadrama von Alan Taylor, USA 2021, 120 Min.
Film
«The Many Saints of Newark» erzählt die Vorgeschichte zur HBO-Mafia-Serie «The Sopranos», mit der 1999 das moderne Serienzeitalter begann. Kann man ein Meisterwerk noch toppen? Nein, natürlich nicht. Aber man kann zumindest gleichziehen: In den 60er- und 70er-Jahren kämpften in der Stadt Newark italoamerikanische und afroamerikanische Gangsterbanden um die kriminelle Vorherrschaft in New Jersey. Viele Figuren aus der Serie kommen auch im Film vor, in jüngerer Form natürlich, von anderen Schauspielern verkörpert. Tonys hysterische Übermutter zum Beispiel, die von Vera Farmiga als professionelle Soziopathin gespielt wird. Der junge Tony Soprano, ein rebellischer Halbstarker, der dem Glacé-Mann seinen Wagen klaut und Gratiswaffeltüten an die Kinder im Viertel verteilt, wird nach und nach von seinem Onkel Dickie auf die dunkle Seite der Macht gelockt. Diese Gangster-Sozialisierung ist fast schon gespenstisch gut, weil der junge Tony Soprano von Michael Gandolfini gespielt wird - dem Sohn des verstorbenen alten Tony-Darstellers James Gandolfini. (SZ)
Leserbewertung
ø 3.5
(17 Bewertungen)
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Swan Song

Drama von Benjamin Cleary, USA 2021, 114 Min.
Film
Der todkranke Cameron arbeitet als Werbegrafiker und ist mit seiner Ehefrau Poppy und einem kleinen Sohn im komfortablen Vorstadtleben angekommen. Wie soll er seine Frau, die sich gerade von einer Depression erholt und zum zweiten Mal schwanger ist, alleine lassen? Carmon entscheidet sich für eine Behandlung in einer Biotech-Firma, die drauf spezialisiert ist, ganze Menschenleben samt Erinnerungen downzuloaden und mit künstlich erschaffenen Klonen zu synchronisieren. Und so spielt Mahershala Ali («Moonlight») von da an zwei Rollen: die des zunehmend verzweifelten Originals und die seines rundum erneuerten Duplikats. In den Händen eines anderen Schauspielers hätte das schnell rührselig werden können. Aber Ali gibt dem Dilemma seiner Figur viele Schattierungen, und Regisseur und Drehbuchautor Benjamin Cleary schafft ein Drama, das elegant ist und nachdenklich und auf eine leise Art aufreibend. (SZ)
Leserbewertung
ø 3.0
(16 Bewertungen)
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Nomadland

Drama von Chloé Zhao, USA 2020, 108 Min.
Film
Die sogenannten «vandweller» ziehen mit Campern oder umgebauten Lieferwagen auf der Stellensuche durch die USA, um sich nach ihrer Pensionierung etwas hinzuzuverdienen. Es sind quasi die verarmten Nachfahren der Pioniere im Wilden Westen. Vom Western ist der Spielfilm von Chloé Zhao («The Rider») denn auch inspiriert. Die Regisseurin verbindet amerikanische Mythologie mit gesellschaftspolitischer Aktualität: Diese Gelegenheitsjobber arbeiten im Amazon-Warenlager, bevor sie weiterziehen. Verblüffend gut vertragen sich die Auftritte von Laiendarstellern – viele davon echte Arbeitsnomaden – mit jenen der Profi-Schauspieler. Frances McDormand gelingt eine behutsame Verkörperung von Fern, der entlassenen Fabrikarbeiterin, die sich nach dem Tod ihres Mannes einen Van kauft. Zhaos Blick auf die prekären Existenzen im heutigen Amerika ist immer auch ein Kino vom stärkenden Gemeinsinn. Vor allen Dingen gehts es aber um ein Gespür fürs Menschliche; für die Erfahrung, die jene Leute haben, die ein gelebtes Leben vorzuweisen haben. (blu)
Leserbewertung
ø 4.5
(111 Bewertungen)
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Dexter: New Blood

Krimi-Serie von Marcos Siega, USA 2021, 10 Folgen
Serie
Fern sind die Tage der Spurensicherung in Miami, nun lebt der Serienmörder Dexter (Michael C. Hall) unter dem neuen Namen Jim im fahlen Städtchen Iron Lake im Staat New York. Dort fällt es erst recht niemandem auf, dass er sich ständig in verdächtiger Nähe zu Tatorten und Verbrechern bewegt. Er hat sogar eine Freundin, die die Polizeiabteilung leitet, was für Jim vor allem eins bedeutet: Zugang. Die Dinge werden moralisch komplizierter, als Jim rückfällig wird und den unausstehlichen Sohn einer lokalen Bekanntheit ermordet. Darauf reist eine True-Crime-Podcasterin nach Iron Lake und steht plötzlich Jims Sohn Harrison vor der Tür. Nichts davon ergibt auch nur annäherungsweise einen Sinn, aber die Mischung aus Grusel und Lakonie macht es aus. (blu)
Leserbewertung
ø 4.0
(36 Bewertungen)
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The Rescue

Dokumentarfilm von Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin, USA/GB 2021, 114 Min.
Film
Am 23. Juni 2018 wurde im Tham-Luang-Höhlensystem in Thailand eine Kinder-Fussballmannschaft samt ihrem Trainer eingeschlossen. Starke Regenfälle überfluteten die Gänge und machten sie unpassierbar. Aber alle konnten in einer grossen, weltweit medial begleiteten Rettungsaktion gerettet werden. Klar, dass es darüber einen Film geben musste. Nein, nicht einen, mehrere sind in Produktion: «The Rescue» setzt den Schwerpunkt auf britische Hobbytaucher, die dank ihrer Erfahrung in Höhlen den besser ausgerüsteten Profis überlegen waren. Gedreht hat deren Sicht auf die Rettung das Team hinter dem oscargekrönten Kletterfilm «Free Solo». Das Abtauchen in die Enge des Höhlensystems ist nicht minder atemraubend. Man fragt sich höchstens am Ende, was die eingeschlossenen Kinder zu sagen hätten. Aber diese Rechte besitzt Netflix. (ml)
Leserbewertung
ø 3.0
(9 Bewertungen)
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Muhammad Ali

Dokuserie von Ken Burns, Sarah Burns, David McMahon, USA 2021. 4 Folgen
Serie
Was gibt es über den «Grössten» noch zu sagen? Ziemlich viel, wie sich in dieser über siebenstündigen Dokuserie über Muhammad Ali zeigt. Zum Beispiel erfahren wir, dass Cassius Clay, wie der Boxer ursprünglich hiess, Legastheniker war und aus Angst vor dem Fliegen wenn immer möglich mit dem Zug reiste. Als er gegen Ende der 50er-Jahre immer grössere Erfolge im Ring feierte, wurde er von 11 weissen Superreichen aus Kentucky gesponsert, damit er nicht in die Fänge der Boxmafia geriet. Die achtstündige Doku von Ken Burns, Sarah Burns und David McMahon hält zahlreiche solche Überraschungen bereit. Die Inszenierung selbst mag angesichts von Talking Heads konventionell anmuten, aber die Faszination für diesen Boxer überträgt sich dennoch: Alis Provokationen, seine Kämpfe, seine Sympathien für die Bürgerrechtsbewegung und die Sekte «Nation of Islam» – hier ist alles drin. Dank Archivaufnahmen von fast allen wichtigen Stationen seines Lebens schlicht ein Must-see. (zas)
Leserbewertung
ø 4.5
(18 Bewertungen)
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Szenen einer Ehe

TV-Serie von Ingmar Bergman, Schweden 1973, 6 Folgen
Miniserie
«Szenen einer Ehe», Ingmar Bergmans Klassiker, war zuerst eine Serie fürs schwedische Fernsehen. Sie zeigt eine Trennung, ein Auseinanderleben, eine Scheidung in so vielen minutiösen Windungen und Wendungen, in Details, die gerade heute, fast ein halbes Jahrhundert später, banal sind oder beinahe komisch. Und doch auch bestürzend aktuell weiterhin, vor allem was die Rolle der (Ehe-)Frau angeht. Der Mann ist Professor, er hofft auf eine Berufung an eine ausländische Universität, treibt es mit einer jungen Studentin, würde, als daraus nichts wird, am liebsten wieder in den alten Zustand zurück. Wird gewalttätig. Die Frau öffnet sich aufs Leben, bringt ihre Probleme zu Papier - wenn sie ihrem Mann davon vorliest, schläft der ein. Millionen Eheleute hätten, so heißt es, nachdem sie diesen Film sahen, sich zur Scheidung entschlossen. (SZ)
Leserbewertung
ø 4.0
(16 Bewertungen)
Wie gefällt Ihnen die Miniserie?

È stata la mano di Dio

Drama von Paolo Sorrentino, I 2021, 130 Min.
Film
1986 durfte er erstmals ein Auswärtsspiel der SSC Napoli mit seinem Idol Diego Maradona besuchen. Regisseur Paolo Sorrentino war damals sechzehn, und es war der Tag, als seine Eltern wegen eines Heizungsunfalls in ihrem Ferienhaus starben. Für Sorrentino war es, als hätte Maradona ihn vor dem Verderben bewahrt. Diesen Schicksalsschlag arbeitet er in «The Hand of God» als tragikomische Reise in die Vergangenheit auf. Dafür schraubt er seine typische filmische Extravaganz etwas runter. Herausgekommen ist ein immer noch bildstarkes Werk voller kurioser Anekdoten. Und was Sorrentino aus Sicht seines Alter Egos, des Teenagers Fabietto (Filippo Scotti), erzählt, kündet auch von den nicht ganz einfachen Anfängen eines Filmemachers. (zas)
Leserbewertung
ø 4.0
(50 Bewertungen)
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Spagat

Drama von Christian Johannes Koch, CH 2020, 110 Min.
Film
Auf den ersten Blick ist der Spagat im Titel auf das Teenagermädchen Ulyana (Masha Demiri) gemünzt, das neben der Schule als Kunstturnerin trainiert. Gemeint ist jedoch vielmehr ihre Klassenlehrerin Marina (Rachel Braunschweig), die versucht, mit den Widersprüchen in ihrem Leben fertigzuwerden. So hat sie eine Affäre mit Ulyanas Vater Artem (Alexey Serebryakov). Als sie herausfindet, dass er und seine Tochter illegal in der Schweiz leben, möchte sie den beiden helfen. Damit läuft sie allerdings Gefahr, dass die Affäre auffliegt. Natürlich will sie ein guter Mensch sein, aber zu welchem Preis? Indem sie versucht, die Balance zwischen ihrem Gewissen und ihren Interessen zu halten, macht sie alles nur schlimmer. Rachel Braunschweig («Tatort») spielt in ihrer ersten Kinohauptrolle eine faszinierend zwiespältige Figur. «Spagat» erhielt den Filmpreis der Stadt Zürich für den besten Spielfilm. (ggs)
Leserbewertung
ø 3.5
(11 Bewertungen)
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Réveil sur Mars

Dokumentarfilm von Dea Gjinovci, CH/F 2020, 74 Min.
Film
In welcher Welt spielt das, Märchen oder Wirklichkeit? Erst denkt man an Fiktion, so sorgfältig setzt die schweizerisch-albanische Regisseurin Deja Gjinovci die Mittel der Inszenierung ein. Aber dann merkt man, dieses Porträt einer Roma-Familie in Schweden ist durch und durch dokumentarisch: Ausgegangen ist Gjinovci von einem Artikel im «New Yorker», der das sogenannte Resignationssyndrom beschreibt. Damit sind Flüchtlingskinder gemeint, die in einer ihnen fremden Umgebung in einen komaähnlichen Schlaf fallen. Die Fachleute versuchen, diese seltsame Krankheit mit Faktoren wie Traumatisierung, Ohnmacht, dysfunktionale Familienbeziehungen und möglicherweise auch Nachahmung zu erklären. Aber noch immer rätseln sie über Ursachen und Verbreitung. Hauptsächlich sind Mädchen betroffen, so wie Ibadeta und Djeneta, die beiden Töchter der aus Kosovo in die kleine schwedische Stadt Horndal geflüchteten Familie Demiri, deren Alltag der Film beobachtet. Die Demiris verharren im Ungewissen, weil die Behörden weiterhin ihren Asylantrag bearbeiten. Dabei glauben viele Mediziner, dass die beste Therapie für diese komatösen Kinder darin besteht, dass man ihrer Familie möglichst rasch die Aufenthaltsbewilligung erteilt. (blu)
Leserbewertung
ø 3.0
(5 Bewertungen)
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Encounter

Drama von Michael Pearce, GB 2021, 108 Min.
Film
Was für eine Wundertüte: Gleich zu Beginn wird die Erde von einem Asteroiden getroffen, Käfer erobern die Welt. Dann geht es um ein unheimliches Virus, das ein Ex-Soldat untersucht, weil es vielleicht einen Zusammenhang mit dem Einschlag geben könnte. Dann fährt dieser Mann mit seinen Söhnen aufs Land, um sie zu schützen. Und schliesslich stellt sich heraus, dass alles noch einmal ganz anders ist. Der britische Regisseur Michael Pearce («Beast») mischt in «Encounter» die billigen «Invasion aus dem Weltall»-Filme aus den 50er-Jahren mit Elementen von Western und Sozialdrama. Riz Ahmed («Sound of Metal») spielt die Hauptperson mit grimmiger Überzeugungskraft. Am Ende ist das nicht vollkommen überzeugend. Aber mit allen Wendungen stets spannend. (ml)
Leserbewertung
ø 4.0
(6 Bewertungen)
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American Rust

Krimiserie von Dan Futterman, USA 2021, 9 Folgen
Serie
Diese Krimiserie ist düster, wortwörtlich: Die Räume sind minimal ausgeleuchtet, und über den Bildern liegt ein graubrauner Filter. Entsprechend beklemmend ist die Story: Polizeichef Harris (Jeff Daniels) arbeitet in einer Kleinstadt im sogenannten Rust Belt, dem runtergewirtschafteten Industriegebiet im Nordosten der USA. Das lokale Stahlwerk wurde längst geschlossen, nun liegt eine Leiche in der Maschinenhalle. Harris ist als Erster am Tatort. Als er eine Jacke am Boden findet, lässt er sie verschwinden, denn das Kleidungsstück belastet Billy (Lex Neustaedter), den Sohn von Grace (Maura Tierney). Der Polizeichef hat sich in die Frau verliebt. Nun muss er den anonymen Anrufer finden, der den Mord gemeldet hat. Die Literaturadaption «American Rust» erzählt von Korruption, Arbeitslosigkeit, Medikamentenmissbrauch, Rassismus und Gewerkschaftskampf. Das provinzielle Elend ist manchmal dick aufgetragen, aber die Serie ist atmosphärisch erzählt und Jeff Daniels fantastisch in der Hauptrolle. (ggs)
Leserbewertung
ø 4.0
(19 Bewertungen)
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Being the Ricardos

Biografisches Drama von Aaron Sorkin, USA 2021, 131 Min.
Film
Die CBS-Show «I Love Lucy» war einer der grössten Strassenfeger der US-Fernsehgeschichte. 60 Millionen Amerikaner schauten in den 50-Jahren Woche für Woche die Sitcom mit Lucille Ball und ihrem aus Kuba stammenden Mann Desi Arnaz. Aaron Sorkin hat ihre Geschichte nun auf zwei kritische Momente eingedampft – die Ehekrise des Paares (gespielt von Nicole Kidman und Javier Bardem) und die Kommunismus-Anschuldigungen gegenüber Lucille in der McCarthy-Ära. Das alles wird uns während der Entstehung einer Sitcom-Folge in einer Woche vermittelt. Gute Idee, bloss ist die Umsetzung wegen Zeitsprüngen und Auslassungen gar umständlich ausgefallen. Und dann wurden auch noch feministische Aspekte und Kommentare von «Fachleuten» ins Geschehen reingezwängt – too much information. Immerhin lässt die Episode, wie das Paar dafür kämpfte, die Schwangerschaft von Lucille in die Sitcom einzubauen –was damals tatsächlich gelang –, Sorkins berühmte Dialogwitz-Skills aufblitzen. Seltsam nur, dass auch dieser Erzählstrang nicht fertig erzählt wird. (zas)
Leserbewertung
ø 4.0
(7 Bewertungen)
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Quo Vadis, Aida?

Drama von Jasmila Zbanic, BIH/GB/NL 2020, 103 Min.
Film
Aida (Jasna Duricic) ahnt, was ihrem Mann und ihren Söhnen zustossen könnte. Sie arbeitet als Übersetzerin für die in Potočari stationierten UNO-Truppen. Rund um sie, auf dem Gelände der ehemaligen Batteriefabrik, sammeln sich Zehntausende Geflüchtete. Im Ort nebenan, in Srebrenica, marschiert der bosnisch-serbische General Ratko Mladic (Boris Isakovic) mit seinen Einheiten ein. Aida lässt nichts unversucht, um ihre Familie zu retten. Die Schauspielerin Jasna Duricic trägt das Publikum durch diese fatalen Tage im Juli 1995, die im schlimmsten Kriegsverbrechen auf europäischem Boden seit Ende des Zweiten Weltkriegs enden, dem Genozid von Srebrenica. Die bosnische Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Jasmila Zbanic liefert mit «Quo Vadis, Aida?» den ersten Spielfilm dazu, der dieses Jahr auch für einen Oscar als bester internationaler Film nominiert war. Rohe Gewalt sieht man darin keine. Ihre Art, die Grausamkeit und deren Konsequenzen zu zeigen, ist filmisch subtiler – und unfassbar stark. (ahl)
Leserbewertung
ø 4.0
(18 Bewertungen)
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Don’t Look Up

Science-fiction-Satire von Adam McKay, USA 2021, 145 Min.
Film
Das ist vermutlich der beste miserable Film des Jahres – oder wie «Indiewire» über Regisseur Adam McKay schrieb: «Es ist, als schaute man einem Jazzgenie zu, das Autotune entdeckt hat und seine neue Stimme liebt.» Mehr Prestige und Stars gehen jedenfalls nicht: Nachdem zwei mittelmässige Astronomen (Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio) einen auf die Erde zurasenden Kometen entdeckt haben, bleiben sechs Monate, um das Ende allen Lebens abzuwenden. Doch weder die US-Präsidentin (Meryl Streep) noch die Medien interessiert es, profitieren tut bloss ein superreicher Smartphone-Guru (Mark Rylance). Diese Satire auf eine Welt, die nurmehr den Social-Media-Status als gesellschaftlichen Kompass kennt, funktioniert weitgehend über Running Gags. Der Rest ist Konfusion vor und hinter der Kamera, und das will bei diesem Traum-Cast etwas heissen. Immerhin: Meryl Streep ist als Trump-Karikatur hinreissend fahrig, Cate Blanchett als TV-Moderatorin eine Opportunistin mit dem weissesten Gebiss der Geschichte. Wie auch immer: Oscarnominationen wird’s geben, schliesslich hat Netflix hier 75 Millionen Dollar für so was wie Zeitgeist investiert. (zas)
Leserbewertung
ø 4.0
(402 Bewertungen)
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Ran

Drama von Akira Kurosawa, Japan/FR 1985, 160 Min.
Film
Akira Kurosawa (1910-1998) gilt als Kaiser des japanischen Kinos, zahlreiche westliche Regisseure verehrten ihn, und es gibt etliche Remakes wie «The Magnificent Sevens» (nach den «Sieben Samurai»). Kurosawa selber nahm sich gerne westliche Autoren zur Vorlage, besonders Shakespeare hatte es ihm angetan. So auch in seinem gewaltigen Alterswerk «Ran», einer freien Adaption von «King Lear». Die Geschichte um die Nachfolge eines alternden Königs ist aufgeladen mit Symbolik: die Ausrichtung der Heere seiner drei Söhne, die Farben, die drei Pfeile, die nicht gebrochen werden können – alles hat mannigfaltige Bedeutungen in diesem Schlachtengemälde. Aus heutiger Sicht kann die zentrale Figur des Herrschers aber auch mit dem Regisseur selbst verglichen werden: Er weiss, dass seine Zeit zu Ende ist. Tatsächlich drehte Kurosawa zwar noch drei Filme, aber keiner mehr hatte die monumentale Kraft von «Ran». (ml)
Leserbewertung
ø 5.0
(20 Bewertungen)
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Der Fluss Titash

Drama von Ritwik Ghatak, IND/BD 1973, 157 Min.
Film
Martin Scorsese und seiner World Cinema Foundation ist es zu verdanken, dass dieser Film in einer restaurierten Fassung vorliegt. Gedreht wurde der in Bangladesch, kurz nachdem das Land seine Unabhängigkeit von Pakistan in einem Krieg erreicht hatte. Auch wenn das keine direkte Rolle spielt, zieht sich doch ein pessimistischer Grundton durch die verwickelte Handlung. Die beginnt mit einem Fischer, der bei einem fremden Dorf anlegt und dort unversehens verheiratet wird. Er nimmt es hin. Auf der Rückfahrt überfallen jedoch Piraten das Boot. Die Braut verschwindet im Wasser, der Mann verfällt dem Wahnsinn. Jahre später stellt sich heraus, dass die Frau überlebt und einen Sohn zur Welt gebracht hat. Sie begegnet Menschen, die ihr bei der Suche nach ihrem Gatten helfen, die meisten sind aber misstrauisch und eigennützig. Regisseur Ritwik Ghatak schildert das Melodrama in beeindruckenden Schwarzweissbildern und hält zugleich eine traditionelle Lebensweise fest, die dem Untergang geweiht ist. (ggs)
Leserbewertung
ø 3.5
(6 Bewertungen)
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Atlas

Drama von Niccolò Castelli, CH 2021, 88 Min.
Film
Der Tessiner Niccolò Castelli wurde mit «Tutti giù» bekannt, einem Spielfilm über die Befindlichkeit junger Menschen, in dem auch Skirennfahrerin Lara Gut-Behrami mitgemacht hat. In «Atlas» stellt er nun das Trauma einer Bergsteigerin ins Zentrum, die nach einer Terrorattacke schwer verletzt wird. Langsam, ganz langsam kämpft sie sich zurück ins Leben und an den Berg. Ein fein beobachtetes Drama, in dem das Vorher und das Nachher stetig verwischen. Vorzüglich: die italienische Schauspielerin Matilda De Angelis in der Hauptrolle. (ml)
Leserbewertung
ø 3.0
(7 Bewertungen)
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