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Wie gut sind die verschiedenen Schnelltests wirklich?

Weltweit sind Hunderte verschiedene Produkte für Corona-Tests auf dem Markt – vom Schnelltest vor Ort bis zur Hightech-Analyse im Labor. Eine Übersicht.

Barbara Reye, Patrick Vögeli
Aktualisiert am 22. Februar 2021

Die Streifen-Schnelltests für Antigene und Antikörper sehen fast wie diejenigen von Schwangerschaftstests aus, der PCR-Schnelltest ist dagegen ein kleines «Labor im Röhrchen». Während es für den Antikörpertest Blut oder Blutserum braucht, benötigen die Antigen-Schnelltests und PCR-Schnelltests zum Beispiel Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum. Inzwischen gibt es aber auch Schnelltests mit Speichel oder nur mit einem Nasen-Abstrich.

Nasen-Rachen-Abstrich für eine Covid-19-Diagnostik

  1. Nasenhöhle
  2. Nasenrachen
  3. Mundrachen

Wie aussagekräftig, präzis und teuer diese unterschiedlichen Methoden sind, zeigt ein Vergleich der verschiedenen Schnelltests mit dem klassischen PCR-Test. Der Antigen-Schnelltest ist zum Beispiel ein einfaches Verfahren, um zu erkennen, ob eine Person eine hohe Viruslast hat und deshalb hochansteckend ist. Er könnte teilweise teurere PCR-Tests ersetzen und Labore entlasten − etwa in Schulen, Pflegeheimen oder bei Reiserückkehrern. Dennoch ist selbst bei korrekter Anwendung die Sensitivität etwas geringer als beim PCR-Test. Infizierte mit sehr niedriger Viruslast werden dadurch möglicherweise nicht erkannt.

Dass Labors und Testzentren seit dem Herbst auf Hochtouren laufen, geht aus der aktuellen Grafik hervor. Gemäss Angaben des Bundesamts für Gesundheit wurden in der Schweiz und Liechtenstein bis jetzt insgesamt mehr als 4,9 Millionen PCR-Tests sowie Antigen-Schnelltests durchgeführt. Allein am 19. Februar 2021 wurden rund 21’500 PCR-Tests (davon 4,5 % positiv) und 7800 Antigen-Schnelltests (davon 3,8 % positiv) gemacht. PCR-Schnelltests werden nicht extra erfasst.

Übersicht der Testmethoden

PCR-Test
Bei den klassischen PCR-Tests werden die Proben in Labors geschickt, um das Vorhandensein von Erbsubstanz des Erregers nachzuweisen. Dazu werden zuerst bestimmte Abschnitte des RNA-Erbgutmoleküls vom Virus in entsprechende DNA-Fragmente umgewandelt, danach vervielfältigt und analysiert. Nach Eintreffen der Probe bis zum Resultat dauert es meist 3 Stunden, allerdings können je nach System bis zu 1000 Proben gleichzeitig getestet werden.
Anwendung:
für alle Personen bei Verdacht auf Infektion (vor allem Spitäler, Schulen, Alten- und Pflegeheime)
Probe:
Nasen-Rachen- sowie Nasen-Abstrich und Speichel (Interview zum neuen Speicheltest)
Analyse:
Labor
Genauigkeit:
sehr hoch
Zeit:
3 h
Kosten:
ca. 156 Fr. * (inklusive Arztgespräch)
PCR-Schnelltest
PCR-Schnelltests nutzen zwar die gleiche Methode, allerdings mit speziellen Verfahren und als Einzelprobe. Manche dieser Tests sind ebenso sensitiv wie die klassischen PCR-Tests. Sie werden unter anderem auch als eine Art Mini-Labor (Angaben unten) vermarktet, bei dem alle Reagenzien bereits schon in einem Röhrchen vorhanden sind und in einem kaffeemaschinen­grossen Gerät ausgewertet werden. Der Nachteil: Nur eine Probe aufs Mal möglich.
Anwendung:
für Einzeltests in Arztpraxen und in Spitälern
Probe:
Nasen-Rachen-Abstrich
Analyse:
ohne Labor in Arztpraxis oder im Spital
Genauigkeit:
sehr hoch
Zeit:
20 min
Kosten:
keine genaue Preisangabe
Antigen-Schnelltest
Antigen-Schnelltests können den Erreger ebenfalls direkt nachweisen, zum Beispiel ein Antigen (Nucleocapsid-Protein) vom Virus. Entweder werden Ergebnisse vor Ort mit Einzelproben mit dem Teststreifenverfahren durchgeführt (Angaben unten) oder aber eine aufgrund der Logistik zeitlich etwas aufwendigere Laboranalyse auf Hightech-Geräten mit bis zu 300 Proben pro Stunde gleichzeitig.
Anwendung:
für die schnelle Überprüfung bei Symptomen und Screening von Kontaktpersonen, potenziellen Infektionsclustern (z. B. in Schulen, Alten- und Pflegeheimen) sowie für Gesundheits- und Pflegepersonal
Probe:
Nasen-Rachen-Abstrich und Nasen-Abstrich**
Analyse:
ohne Labor direkt in Testzentren, Arztpraxen, Apotheken oder Spitälern
Genauigkeit:
geringer als PCR-Test
Zeit:
15 min
Kosten:
ca. 57.50 Fr. *
Antikörper-Schnelltest
Antikörper-Schnelltests weisen nach, ob das Immunsystem auf das Virus reagiert hat. Das ist in einem sehr späten Infektionsstadium oder nach einer Infektion der Fall. Meist wird nur eine Antikörperklasse, entweder IgG oder IgM, erfasst. Auch hier gibt es bei den Schnelltests das Teststreifenverfahren mit Ergebnis direkt vor Ort (Angaben unten) oder eine aufgrund der Logistik zeitlich etwas aufwendigere Laboranalyse mit mehreren Hundert Proben auf einmal.
Anwendung:
für alle, die eine rasche Antwort wollen, ob sie mit dem Erreger schon mal in Kontakt waren oder nicht
Probe:
Blut
Analyse:
vor Ort ohne Instrumente etwa in Spitälern, Arztpraxen oder Apotheken
Genauigkeit:
hoch
Zeit:
20 min
Kosten:
ca. 70 Fr. *
*alle angegebenen Preise können je nach Labor und Kosten der Beratung variieren.
** neuer Roche-Test hat CE Zertifizierung, aber noch keine Bewilligung von Swissmedic und BAG (Stand 2.2.2021)

Wie zuverlässig sind Antigen-Schnelltests

Diese Tests sind sehr hilfreich für den Nachweis in den ersten Tagen nach Symptombeginn und für Aussagen über die Ansteckungsgefahr, aber nicht ganz so genau wie PCR-Tests.

Die Sensitivität und Spezifität beschreiben wie gut ein Test ist. Die Sensitivität ist der Anteil der Personen mit positivem Testergebnis unter den Infizierten. Die Spezifität ist der Anteil der Personen mit negativem Testergebnis unter den Nicht-Infizierten.

Welcher Test macht wann Sinn?

Mit der PCR-Methode lassen sich über einen sehr langen Zeitraum zuverlässig Viren nachweisen. Der Antigen-Test hat ein kürzeres Zeitfenster. Und der Antikörpertest braucht fast zwei Wochen nach Symptombeginn, um eine überstandene Covid-19-Infektion anzuzeigen.